Wie macht man Dua?
Frage 1203
Frage
Wie sollte ein Muslim Dua machen, also persönlich zu Allah beten, und gibt es dafür besondere Worte, Sprachen oder Zeiten?
Zusammenfassung der Antwort
Duʿāʾ heißt, mit Allah in eigenen Worten zu sprechen, in jeder Sprache, zu jeder Zeit, laut oder im Herzen. Allah sagt, dass Er nahe ist und jeden erhört, der Ihn anruft (2:186), und der Prophet ﷺ nannte das Bittgebet die Anbetung selbst. Die Sunna fügt schöne Gewohnheiten hinzu: mit Lobpreis und dem Segensgruß auf den Propheten beginnen, die Hände erheben, voller Zuversicht bitten und die gesegneten Zeiten suchen, etwa das letzte Drittel der Nacht und den Moment der Niederwerfung.
Antwort
الحمد لله Alles Lob gebührt Allah.

Duʿāʾ (دعاء) bedeutet Rufen. Es ist der Augenblick, in dem sich ein Mensch Allah zuwendet und unmittelbar zu Ihm spricht: auf Arabisch, auf Deutsch oder auf Urdu, auf dem Gebetsteppich oder am Krankenbett, flüsternd oder in der Stille des Herzens. Es gibt keine Formel, die Sie zuerst richtig beherrschen müssten. Wie macht man also Dua? Wenden Sie sich Allah zu, preisen Sie Ihn, und bitten Sie. Die Sunna fügt eine Handvoll Gewohnheiten hinzu, die das Bitten schöner machen, und nennt einige Augenblicke, in denen die Tür besonders weit offen steht.
Was sagt der Koran über das Bittgebet?
Mitten in den Versen über das Fasten beantwortet der Koran die Frage, wie nahe Allah ist:
وَإِذَا سَأَلَكَ عِبَادِي عَنِّي فَإِنِّي قَرِيبٌۖ أُجِيبُ دَعۡوَةَ ٱلدَّاعِ إِذَا دَعَانِۖ فَلۡيَسۡتَجِيبُواْ لِي وَلۡيُؤۡمِنُواْ بِي لَعَلَّهُمۡ يَرۡشُدُونَ
„Wenn Meine Diener dich nach Mir fragen: Ich bin nahe. Ich erhöre den Ruf des Rufenden, wann immer er Mich anruft. So sollen sie Mir antworten und an Mich glauben, auf dass sie den rechten Weg finden.“
Wenn die Menschen den Propheten ﷺ nach anderen Dingen fragen, antwortet der Koran gewöhnlich mit „Sag …“; hier antwortet Allah ihnen selbst, ohne ein „Sag“ dazwischen. Der Prophet ﷺ stellte das Bittgebet in das Herz der Religion:
«الدُّعَاءُ هُوَ الْعِبَادَةُ»
„Das Bittgebet ist die Anbetung selbst.“
Dann rezitierte er: „Euer Herr spricht: Ruft Mich an, so erhöre Ich euch“ (Koran 40:60). Al-Albani stufte den Hadith als sahih ein.
Wie macht man Dua Schritt für Schritt?
- Wenden Sie Ihr Herz Allah zu. Wudu und die Ausrichtung zur Qibla sind gut, aber keines von beiden ist Bedingung.
- Beginnen Sie mit Lobpreis. Der Prophet ﷺ hörte einen Mann in seinem Gebet bitten, ohne zuvor Allah gepriesen und den Segen auf den Propheten gesprochen zu haben, und sagte: „Dieser hat sich übereilt.“ Er lehrte: Preist Allah, sprecht den Segen auf den Propheten, „dann bittet, worum ihr wollt“ (Jamiʿ al-Tirmidhi 3477, von al-Albani als sahih eingestuft).
- Erheben Sie die Hände. „Euer Herr ist freigebig und voller Zartgefühl: Er scheut sich, die Hände, die Sein Diener zu Ihm erhebt, leer zurückzuweisen“ (Sunan Abi Dawud 1488, von al-Albani als sahih eingestuft).
- Rufen Sie Ihn bei Seinen Namen. „Allah gehören die schönsten Namen, so ruft Ihn mit ihnen an“ (Koran 7:180): den Heiler, wenn Sie krank sind, den Versorger, wenn Sie Arbeit brauchen, den Vergebenden, wenn Sie etwas bereuen.
- Bitten Sie um alles Gute, Großes wie Kleines, für sich selbst, Ihre Familie, Ihre Freunde und die ganze Welt.
- Bitten Sie voller Zuversicht. „Ruft Allah an in der Gewissheit, erhört zu werden“ (Jamiʿ al-Tirmidhi 3479, von al-Albani als hasan eingestuft).
- Haben Sie Geduld. „Ihr werdet erhört, solange ihr nicht ungeduldig werdet und sagt: Ich habe gebetet, und mir wurde nicht geantwortet“ (Sahih al-Bukhari 6340).
- Schließen Sie mit dem Segensgruß auf den Propheten ﷺ und „Āmīn“.
Das alles sind Gesten der Liebe. Ein Ruf „Ya Allah“ in einem schweren Augenblick, ganz ohne sie, ist ebenfalls ein vollständiges Bittgebet.
Darf man Dua in jeder Sprache machen?
Ja. „Zu Seinen Zeichen gehört die Verschiedenheit eurer Sprachen und eurer Farben“ (Koran 30:22), und Er, der diese Sprachen geschaffen hat, hört sie alle. Das persönliche Bittgebet darf in jeder Sprache gesprochen werden, auch in der Niederwerfung und nach dem Gebet. Die festen Worte des rituellen Gebets sind arabisch, mit Erleichterungen für neue Muslime; mehr dazu in Darf man in der eigenen Sprache beten?
Es muss auch nicht laut ausgesprochen werden. Zakariyya (Friede sei mit ihm) rief seinen Herrn „mit verborgenem Rufen“ an (Koran 19:3), und der Koran fordert die Gläubigen auf, Ihn „demütig und im Verborgenen“ anzurufen (7:55).
Wann wird Dua am ehesten erhört?
Jeder Augenblick steht offen, und die Sunna nennt einige, die besonders gesegnet sind:
- Das letzte Drittel der Nacht. Allah steigt zum untersten Himmel herab und spricht: „Wer ruft Mich an, damit Ich ihn erhöre?“ (Sahih al-Bukhari 1145). Siehe Wie betet man Tahajjud?
- In der Niederwerfung. „Am nächsten ist der Diener seinem Herrn, wenn er sich niederwirft, so macht dann viel Duʿāʾ“ (Sahih Muslim 482).
- Zwischen Gebetsruf und Iqāma (Sunan Abi Dawud 521, von al-Albani als sahih eingestuft).
- Eine kurze Stunde am Freitag (Sahih al-Bukhari 935).
- Das Gebet von Vater oder Mutter, eines Reisenden und eines Menschen, dem Unrecht geschehen ist (Sunan Abi Dawud 1536, von al-Albani als hasan eingestuft).
- Laylat al-Qadr, die Nacht der Bestimmung (Was ist Laylat al-Qadr?).
Beten Sie auch für andere: für Freunde, für Fremde, für Menschen jeden Glaubens (Dürfen Muslime für Nichtmuslime beten?).
Was, wenn mein Dua nicht erhört wird?
Jedes aufrichtige Bittgebet wird erhört, wenn auch nicht immer in der Gestalt, um die wir gebeten haben. Der Prophet ﷺ sagte:
«مَا مِنْ مُسْلِمٍ يَدْعُو، لَيْسَ بِإِثْمٍ وَلاَ بِقَطِيعَةِ رَحِمٍ، إِلاَّ أَعْطَاهُ إِحْدَى ثَلاَثٍ: إِمَّا أَنْ يُعَجِّلَ لَهُ دَعْوَتَهُ، وَإِمَّا أَنْ يَدَّخِرَهَا لَهُ فِي الْآخِرَةِ، وَإِمَّا أَنْ يَدْفَعَ عَنْهُ مِنَ السُّوءِ مِثْلَهَا»
„Wenn ein Muslim Allah anruft und dabei um nichts Sündhaftes bittet und um nichts, was die Verwandtschaftsbande zerreißt, dann gewährt Allah ihm eines von dreien: Entweder erfüllt Er sein Gebet bald, oder Er bewahrt es ihm für das Jenseits auf, oder Er wendet ein Übel gleichen Maßes von ihm ab.“
Die Gefährten sagten: „Dann werden wir sehr viel bitten.“ Er antwortete: „Allah hat noch mehr.“ Wenn eine Entscheidung Sie belastet, nehmen Sie zu Ihrem Bittgebet das Gebet um das Gute (istikhāra) hinzu (Wie betet man Istikhara?).
Ein Wort zum Schluss
Der Koran stellt eine Frage, deren Antwort jeder Mensch in Not schon kennt:
أَمَّن يُجِيبُ ٱلۡمُضۡطَرَّ إِذَا دَعَاهُ وَيَكۡشِفُ ٱلسُّوٓءَ
„Wer ist es, der den Bedrängten erhört, wenn er Ihn anruft, und das Übel von ihm nimmt?“
Was auch immer Sie heute tragen, sagen Sie es Ihm. Er ist nahe, und Er hört zu.
Und Allah weiß es am besten. والله أعلم
Häufige Fragen
Darf ich Dua auf Deutsch oder in meiner eigenen Sprache machen?
Ja. Allah versteht jede Sprache und jeden unausgesprochenen Gedanken. Das persönliche Bittgebet darf außerhalb der festen Worte des rituellen Gebets in jeder Sprache gesprochen werden.
Darf ich Dua im Herzen machen, ohne zu sprechen?
Ja. Der Koran lobt Zakariyya, der seinen Herrn mit verborgenem Rufen anrief (19:3), und fordert die Gläubigen auf, Ihn demütig und im Verborgenen anzurufen (7:55). Ein stilles Bittgebet wird vollständig gehört.
Dürfen Frauen während der Periode Dua machen?
Ja. Das Bittgebet und das Gedenken Allahs stehen allen zu jeder Zeit offen, auch während der Menstruation und der Wochenbettblutung und ohne Wudu.
Darf man um weltliche Dinge bitten?
Ja. Bitten Sie um eine Arbeitsstelle, eine Wohnung, Heilung, einen Ehepartner, eine bestandene Prüfung. Der Koran lehrt das Gebet: „Unser Herr, gib uns Gutes in dieser Welt und Gutes im Jenseits“ (2:201).
Verwandte Fragen
Quellen
Bild: Iranian weavers, Prayer rug, late 16th century. Metropolitan Museum of Art, New York. CC0, via Wikimedia Commons.. Bildnachweise